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Die fünf größten Mythen: Was ist dran an der ETF Kritik?


Erfolg gebiert Kritik. Das war schon immer so, und ist bei ETFs nicht anders. Es ist daher an der Zeit, einige Dinge zurechtzurücken, die seit geraumer Zeit die Diskussion um ETFs begleiten.​


1. ETFs werden zu groß und zur Gefahr für die Märkte

Nehmen ETFs tatsächlich überhand und gefährden durch ihre Größe die Finanzmärkte? Bei Licht betrachtet sind wir davon noch sehr weit entfernt. In den USA, dem größten Markt, machen beispielsweise in ETFs gehaltene Aktien gerade einmal 7,6 Prozent der gesamten Aktienalagen aus. In Europa liegt der Anteil mit 4,4 Prozent sogar deutlich darunter. Vor diesem Hintergrund fällt es schwer anzunehmen, dass ETFs tatsächlich einen signifikanten Einfluss auf die Märkte haben sollten.

Könnte sich dies in der Zukunft ändern? Auch dafür spricht gegenwärtig wenig. Zumindest, wenn man von der Erfahrungen der Vergangenheit ausgeht. So stieg der Anteilsbesitz über ETFs an den großen US Aktienindizes (S&P 500, Russell 1000 und Russell 2000) in der Zeit von 2000 bis 2016 pro Jahr lediglich um 0,4 Prozent. Oder schauen wir nach Europa. Der Anteil von ETFs auf Basis des Euro STOXX 50 macht hier gerade einmal zwei Prozent des gesamten Handelsvolumens eines Tages aus. Auch im Bereich der Anleihen sind die entsprechenden Zahlen ebenfalls geringfügig.



2. ETFs erhöhen die Korrelation und schaden der Diversifikation 

Unsere Untersuchungen im Rahmen der ETF Research Academy zum Einfluss von ETFs auf die ihnen zugrundeliegenden Märkte zeigen, dass ETFs zwar einen Einfluss auf das aggregierte Risikoniveau am Markt haben können, nicht aber unbedingt zu einer Erhöhung beitragen. ETFs erzeugen also nicht automatisch eine höhere Marktvolatilität und führen nicht automatisch dazu, dass Kurse einen synchronen Verlauf nehmen. In den vergangenen Jahren gab es zwar einen Zusammenhang zwischen dem Wachstum von ETFs und der Abnahme der Renditeverteilung auf den zugrundeliegenden Märkten. Allerdings ist hier nicht eindeutig, in welcher Wechselwirkung diese Beobachtungen tatsächlich stehen. Die Renditeverteilung wird vielmehr durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt, unter anderem durch die weltweite Volatilität, Futures und Derivate, durch systematische Strategien oder etwa durch algorithmische Handelsstrategien.



3. ETFs erhöhen die Volatilität

Darüber, ob und wie ETF Anleger die zugrundeliegenden Märkte beeinflussen, wird seit langem debattiert. Hierbei gilt es, zwischen unterschiedlichen Investoren zu unterscheiden. Der Einfluss der sogenannten „Noise Traders“, also der weniger informierten Investoren, auf die Volatilität eines Index ist zeitlich relativ kurz begrenzt. Das Verhalten der informierten Investoren kann sich demgegenüber stärker auf die Finanzmärkte auswirken und spielt längerfristig auch eine Rolle bei der Preisfeststellung.

Was die Anleihemärkte angeht, so ist der Anteil von Bonds in ETFs eher gering. Diese ETFs halten in der Regel verstärkt liquide und weniger volatile Anleihen. Untersuchungen aus dem Bereich der Unternehmensanleihen haben gezeigt, dass Anleihe-ETFs eher dazu führen, die Volatilität der zugrundeliegenden Titel zu vermindern.



4. Zu viele ETFs beeinträchtigen die Markteffizienz

Das Gegenteil ist der Fall: Neue ETFs können dazu beitragen, die Markteffizienz zu steigern, wenn sie richtig konstruiert sind. Daraus folgt, dass die Ergänzung um neue ETFs einen Beitrag zum Abbau systemischer Risiken leisten kann. Weder die Vielzahl noch die Größe von ETFs erhöhen somit per se das Risiko eines Gesamtmarktes.

Abhängig von der Indexgewichtung, der Methodik der Indexzusammenstellung oder der Liquidität am Primärmarkt haben ETF Anbieter die Möglichkeit, die Gesamtrisikosituation am Markt und ihren Einfluss auf die Markteffizienz zu beeinflussen. Obwohl marktkapitalisierte Indizes die Menge an makroökonomischen Informationen erhöhen, können nicht-marktkapitalisierte Indizes, in denen mikroökonomische Informationen eine Rolle spielen, einen Beitrag zur Effizienz bei der Preisfeststellung leisten. Anlagen in die letztere ETF Kategorie nehmen beständig und im Vergleich zum Gesamtmarkt schneller zu. Sie dürften auch weiterhin die Treiber des ungebrochenen ETF Wachstums sein.



5. ETFs erhöhen die Anfälligkeit für starke Kursrückgänge

Unsere Untersuchungen der Primär- und Sekundärmärkte in Europa zeigen, dass Vermögenswerte weniger häufig gehandelt werden, ETFs mithin länger gehalten werden. Wenn dem so ist, reduziert dies zwangsläufig den Markteinfluss von ETFs. Dennoch sind Investoren, vor allem in Zeiten von Marktstress, besorgt über die potenziellen Auswirkungen von ETFs. Solche Stressphasen am ETF Markt finden sich – wenngleich eher selten – vor allem in den USA, lassen sich für Europa aber bisher nicht beobachten. Müssen wir hierzulande künftig dennoch damit rechnen?

Aufgrund der großen Unterschiedlichkeit der beiden Märkte gehen wir nicht davon aus. Auch wenn der europäische ETF Markt sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt hat, ist er immer noch viermal kleiner als der US Markt. Darüber hinaus finden sich auf dieser Seite des Atlantiks vergleichsweise mehr und andere Kontrollmechanismen. In Europa etwa müssen ETF Anbieter den Nettoinventarwert eines ETFs nicht nur zum Ende eines jeden Tages ausweisen, sondern darüber hinaus auch während des Tages entsprechende Indikationen bereitstellen. Börsen wie zum Beispiel die Euronext, an denen ETFs gehandelt werden, verfügen zudem über Mechanismen, mit denen verhindert werden soll, dass sich der Handelspreis eines ETFs tatsächlich zu weit vom Nettoinventarwert entfernt. Einige Anbieter gehen sogar noch weiter, indem sie den Handel mit ETFs bestimmten Risikoregeln unterwerfen. So sorgt etwa Lyxor dafür, dass das Volumen eines ETFs niemals mehr als zwei Prozent des darunterliegenden Index übersteigen darf und dass das Volumen der gehandelten Anteile 30 Prozent des durchschnittlichen täglichen Handelsvolumens der Underlyings nicht überschreitet.



Lesen Sie mehr: 

Die umfassende Version unserer Argumentation finden Sie im Research Report ​von Marlene Hassine Konqui, Leiterin des Lyxor ETF Research.

  



Risikohinweise

Als Investor sollten Sie die Risiken berücksichtigen, denen Sie mit einer Anlage in ETFs ausgesetzt sind. Eine Beschreibung dieser Risiken finden Sie hier, im Verkaufsprospekt oder auf www.lyxoretf.de.

Kapitalrisiko: Da ETFs einen Index abbilden, ähnelt auch ihr Risiko einer direkten Anlage im zugrundeliegenden Index. Im Fall einer negativen Wertentwicklung des Index erhalten Anleger den ursprünglich investierten Betrag unter Umständen nicht zurück.

Abbildungs- oder Replikationsrisiko: Es ist möglich, dass ein ETF seine Anlageziele aufgrund unerwarteter Ereignisse an den zugrunde liegenden Märkten nicht erreicht, sofern diese Ereignisse eine Indexberechnung und effiziente Abbildung beeinträchtigen.

Mit dem Basiswert verbundene Risiken: Der einem ETF zugrunde liegende Index kann komplex sein und starken Wertschwankungen aufweisen (Volatilität). Bei einer Anlage in Rohstoffen steht der zugrunde liegende Index möglicherweise in Beziehung zu Rohstoff-Futures-Kontrakten, durch die Anleger einem Liquiditäts- und Kostenrisiko (etwa Lager-, Fracht- und Transportkosten) ausgesetzt sein könnten. ETFs, die ein Engagement in Schwellenländern (Emerging Markets) verkörpern, beinhalten deren vielfältige und typische Risiken, wie etwa politische Risiken, und können daher größere Verlustrisiken aufweisen als Anlagen in Industrieländern (Developed Markets).

Wechselkursrisiko: ETFs unterliegen immer dann einem Wechselkursrisiko, wenn der ETF auf eine andere Währung lautet als die des zugrunde liegenden abgebildeten Index. Die Schwankungen des Wechselkurses der Währungen können die Rendite der Anlage sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

Liquiditätsrisiko: Die Société Générale und weitere zugelassene Market Maker stellen an den Börsen Geld-Brief-Kurse, um einen liquiden Handel von Lyxor ETFs zu gewährleisten. Die Liquidität eines ETFs kann in Folge einer Marktstörung, die Bestandteile des zugrunde liegenden Index betrifft, beeinträchtigt werden. Ferner können Marktunterbrechungen an den Börsen der ETF-Notierung oder Systemausfälle in den Handelssystemen der Société Générale oder der Market Maker oder andere außergewöhnliche Handelssituationen und -ereignisse die Liquidität einschränken.

Alle im obigen Artikel enthaltenen Meinungen und Daten spiegeln die Sichtweise des Lyxor & SG Cross Asset Research-Teams wider und entsprechen dem Stand vom 23. August 2017.

DIESER ARTIKEL RICHTET SICH AUSSCHLIESSLICH AN PROFESSIONELLE INVESTOREN

​Dieser Artikel ist für die ausschließliche Verwendung durch Anleger bestimmt, die auf eigene Rechnung handeln und gemäß der Richtlinie 2004/39/EG über Märkte für Finanzinstrumente entweder als „geeignete Gegenparteien“ oder als „professionelle Kunden“ eingestuft sind. Es ist nicht für Privatanleger bestimmt. In der Schweiz ist es ausschließlich für qualifizierte Anleger bestimmt.

Kunden sollten prüfen, ob jegliche in diesem Research-Dokument enthaltene Beratung oder Empfehlung zu ihren persönlichen Umständen passt, und ggf. professionelle Beratung, einschließlich steuerliche Beratung, in Anspruch nehmen. Unsere Verkaufsmitarbeiter, Händler und andere Fachleute geben gegenüber unseren Kunden und eigenen Handelsabteilungen möglicherweise mündliche oder schriftliche Marktkommentare ab, die den Meinungen, die in diesem Research-Dokument zum Ausdruck kommen, zuwiderlaufen. Unser Bereich Vermögensverwaltung, die eigenen Handelsabteilungen und investierende Unternehmen treffen möglicherweise Anlageentscheidungen, die im Widerspruch zu den Empfehlungen oder Meinungen stehen, die in diesem Research-Dokument zum Ausdruck kommen.Das Material spiegelt die Ansichten und Meinungen der jeweiligen Autoren zum jeweiligen Zeitpunkt wider und stellt in keiner Weise eine offizielle Stellungnahme oder Beratung durch die Autoren bzw. durch Lyxor International Asset Management dar. Daher können Lyxor International Asset Management, seine Führungskräfte oder Angestellten keine Verantwortung übernehmen. Dieses Research-Dokument stellt weder ein Verkaufsangebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Kaufangebots für jegliche Wertpapiere in Rechtsgebieten dar, in denen solche Angebote oder Aufforderungen gegen das Gesetz verstoßen würden. Es stellt keine persönliche Empfehlung dar und berücksichtigt nicht die individuellen Anlageziele, die finanzielle Situation und die Anforderungen einzelner Kunden.

Zulassungen: Lyxor International Asset Management (Lyxor AM) ist eine französische Anlageverwaltungsgesellschaft, die von der Autorité des Marchés Financiers zugelassen ist und den Bestimmungen der EU-Richtlinien für OGAW (2009/65/EG) und AIFM (2011/61/EU) unterliegt.

Interessenkonflikte

Dieses Research-Dokument enthält die Einschätzungen, Meinungen und Empfehlungen von Research-Analysten und/oder Strategen von Lyxor International Asset Management („LIAM“) aus den Bereichen Cross Asset und ETF. Sofern dieses Dokument Anlageideen enthält, die auf Makro-Einschätzungen der wirtschaftlichen Marktbedingungen oder dem relativen Wert beruhen, können diese von den grundsätzlichen Meinungen von Cross Asset und ETF Research und Empfehlungen in Sektor- oder Unternehmens-Research-Berichten von Cross Asset und ETF Research sowie von den Einschätzungen und Meinungen anderer Abteilungen von LIAM oder ihren Tochtergesellschaften abweichen. Die Research-Analysten und/oder Strategen von Lyxor Cross Asset und Lyxor ETF konsultieren regelmäßig LIAM-Mitarbeitende aus dem Vertrieb und der Portfolioverwaltung in Bezug auf Marktinformationen, darunter Marktkurse, Spreads und Handelsaktivität von ETFs, die Aktien-, Anleihe- und Rohstoffindizes nachbilden. Die Handelsabteilungen können oder konnten in der Vergangenheit Transaktionen grundsätzlich auf Basis der Einschätzungen und Berichte der Research-Analysten durchführen. Lyxor verfügt über verbindliche Research-Richtlinien und -Verfahren, die angemessen (i) sicherstellen sollen, dass in Research-Berichten angegebene Fakten auf zuverlässigen Informationen beruhen, und (ii) verhindern sollen, dass Research-Berichte unangemessen selektiv oder in unangemessener Staffelung veröffentlicht werden. Zudem hängt die Vergütung der Research-Analysten zum Teil von der Qualität und Genauigkeit ihrer Analysen ab, vom Kundenfeedback und von Wettbewerbsfaktoren sowie von den Gesamterlösen von LIAM, einschließlich Erlösen aus Anlageverwaltungsgebühren, Anlageberatungsgebühren und Vertriebsgebühren.


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